Neuerscheinung 2. Halbjahr 2026
2052 - Your Digital Brother
2052 entwirft eine digitale Zukunft, die konsequent aus der aktuellen technologischen und gesellschaftlichen Entwicklung unserer Zeit abgeleitet ist.
Statt spekulativ zu wirken setzt der Roman auf eine beunruhigende Plausibilität. Torsten Glorius, bislang vor allem im IT-Kontext publizistisch tätig, greift gezielt Impulse aus Orwells 1984 auf, entwickelt daraus jedoch ein Szenario, dessen Wirkung gerade aus seiner realistischen Zuspitzung entsteht. Die Erzählung versteht sich als analytische Projektion, die weniger durch Dramatik als durch Konsequenz zur Reflexion anregt.
~ Lektorat Verlag T. Gl0r1us
Geplante Formate
PDF, EPUB & MOBI
Entdecke die beunruhigende Plausibilität hinter der analytischen, faktenbasierten Erzählung von Torsten Glorius!

Leseprobe Prolog (Manuskript)
Es war ein feuchtkalter, grauer Apriltag, als Nicolas, den alle nur Nic nannten, die Kapuze seines Hoodies eng zugezogen, um sich vor dem kalten Wind und der allgegenwärtigen, abgestanden riechenden Feuchtigkeit zu schützen, mit schnellen Schritten die Vorhalle des Jobs Towers betrat. Wenn auch nicht schnell genug, als das nicht mit ihm der vom Ruß und Staub verschmutzte Nieselregen auf dem glänzend polierten, schwarzen Boden des Foyers niederging und ihn das nervtötende Piepsen des Türsensors mahnte sich zu beeilen, als sich die vom schmutzigen Regen halbblinden Glastüren automatisch hinter ihm schlossen.
Im Eingangsbereich blendete das kalte, blauweisse Licht der LED-Lampen, die in der hellen, hohen Decke der Halle eingelassen waren, seine durch den ständigen Smog entzündeten Augen. Er nahm seine Maske ab und entsorgte sie im eigens für Masken aufgestellten Sammelbehälter, als ihm bewusst wurde, dass jetzt für die letzte Woche des Monats nur noch drei Masken übrig blieben und er daher wohl oder übel an einigen der nächsten Tage auf die ihm so wichtigen Spaziergänge außerhalb der Living-Mall verzichten musste.
Neben dem Fahrstuhl stand eine Büste des Namensgebers des Jobs Towers. Ein schlanker Mann um die 50, der leicht vorne übergebeugt stand und sein Kinn nachdenklich auf die linke Hand stützte, während er auf ein Tablet aus dem frühen 21. Jahrhundert in seiner Rechten blickte. Auf dem Sockel der Büste stand in stahlgrauen Lettern die Inschrift:
Steven „Steve“ Paul Jobs
*24. Februar 1955 - †5. Oktober 2011
Schon öfter hatte sich Nic gefragt, wer dieser Mann wohl gewesen war, der für eine der größten und modernsten Living-Malls in New Hanovera als Namensgeber Pate stand, hatte sich aber noch nie die Zeit genommen das im Info Channel des Gebäudes zu recherchieren.
Nach einem flüchtigen Blick auf seine Smartwatch entschloss sich Nicolas auf den Fahrstuhl zu verzichten, damit er dem Tagesziel seines Health Trackers etwas näher kam. Obwohl ihm das Treppensteigen seit seinem Zusammenbruch vor einigen Monaten immer noch schwer fiel und er jede zweite Etage eine kurze Pause einlegen musste, konnte er sich keine weitere Erhöhung der Beiträge für seine Krankenversicherung leisten, die anhand der vom Tracker erfassten Bewegungsdaten automatisch angepasst wurden.
Besonders, da er seit dem letzten Sommer nicht mehr die Gebühr für die Mitgliedschaft im Fitness Club der Mall aufbringen konnte, hatte er kaum noch eine andere Möglichkeit als jede Gelegenheit für das Sammeln von sogenannten Health Credits zu nutzen, einer digitalen Währung für körperliche Aktivitäten, die ihm bei der Berechnung seiner Versicherungsprämie gutgeschrieben wurde und so wichtig für die Höhe der „Individuellen Solidaritätsabgabe zur Finanzierung des öffentlichen Gesundheitssystems“, oder einfach Health Soli, war.
Während Nic sich die Stufen zu seinem Appartement hoch schleppte und gegen die aufkommende Kurzatmigkeit ankämpfte, hörte er, wie sich von oben schnelle, leichtfüßige Schritte näherten. Er kannte diese Schritte sehr gut. Sie gehörten zu seiner Nachbarin Susan, die - scheinbar aus schier unerschöpflicher Energie bestehend - praktisch jede ihrer Bewegungen in eine kleine Fitnessübung verwandelte, die sie spielerisch und ohne erkennbare Anstrengung bewältigte.
Susan war eine auffällig jugendliche und sportliche Erscheinung, obwohl sie bereits über 40 Jahre alt war. Sie war als Personal Coach beim Fitness Club im Jobs Tower beschäftigt und kannte so praktisch jeden in dieser Mall besser, als die meisten anderen ihre Nachbarn auf der gleichen Etage. Sicher war es ihr sportlicher Lifestyle, der sie so jung und attraktiv wirken lies und dem sie den Umstand verdankte, dass ihr ständig auch deutlich jüngere Männer Besuche machten.
"Hi Nic!“ Nicolas fühlte sich geschmeichelt, da sie ihn offenbar ebenfalls am seinem Schritt erkannt hatte, bevor sie lächelnd um die Ecke kam. "Lange nicht gesehen, geht’s dir wieder besser? Klasse, dass du die Treppe nimmst und nicht den Fahrstuhl! Sehen wir uns mal wieder im Club? Mit etwas Training hast du die paar Credits fürs Coaching schnell wieder raus, wenn dein Health Soli neu berechnet wird! Sag einfach bescheid, ich helfe dir gerne deinen inneren Schweinehund in die Wüste zu schicken!"
Ohne auf eine Antwort zu warten und ohne ihn wirklich anzuschauen, huschte Susan mit einer fließenden Bewegung an Nicolas vorbei. "Hey, du bist wieder Single? Schließ besser deine Tür ab, nicht das ich noch auf dumme Gedanken komme!" Mit einem entwaffnenden Lachen lief Susan in die Etage unter ihm.
Single? Woher...?
Schlagartig wurde ihm klar, woran Susan ihn erkannt hatte, bevor sie ihn überhaupt sehen konnte. Mit einem Zwinkern aktivierte Nic das virtuelle Display seiner GLens* und mit einem weiteren Wimpernschlag hatte er auf Global Info geschaltet und schaute Susan einen Moment lang hinterher. Sein Agav* legte ihm einen Terminvorschlag für eine Trainerstunde im Fitness Club vor, den Susan ihm im Vorbeigehen geschickt haben musste. Das virtuelle, scheinbar vor ihm in der Luft schwebende Menü von Susans GCard, hatte die gleiche Struktur die automatisch vor jeder Person eingeblendet wurde, die Nicolas mit aktiver GLens ansah:
...
Neuerscheinung im 2. Halbjahr 2026
