Late Writers

2026-06-15 | Autor | 0 Kommentare

"Du träumst immer noch davon einen Bestseller zu schreiben?"

Ja, so sind gute Freunde manchmal - direkt eben. Aber dafür sind sie ja gute Freunde, nicht viele Menschen sagen einem unverblümt ins Gesicht was sie denken. Und seinen wir ehrlich, das kann einen vor so manchem Schaden schützen. Nur in diesem Fall hatte er wohl doch unrecht, schließlich wäre ich als "Late Writer" in bester Gesellschaft.

Ein Blick auf eine Liste literarischer Größen genügt, um dies zu beantworten; sie beginnt – noch bevor der Roman als literarische Gattung überhaupt etabliert war – mit Daniel Defoe. Nach Hunderten von Flugschriften und Zeitschriftenartikeln veröffentlichte er 1719, kurz vor seinem 60. Geburtstag, sein erstes umfangreiches erzählerisches Werk: Robinson Crusoe.

Hinzu kommen zahlreiche zeitgenössische Autoren, die erst spät zum Schreiben fanden und dennoch Werke schufen, die ihnen einen Platz im Kanon der ehrwürdigen britischen Literatur sicherten. Richard Adams war 52, als "Watership Down" erschien und er verfasste danach noch 20 weitere Bücher, das letzte im Alter von 90 Jahren.

Mary Wesley war 57, als das erste ihrer drei Kinderbücher herauskam, und 70, als ihr erster Roman für Erwachsene, "Jumping the Queue", veröffentlicht wurde, gefolgt vom großen Erfolg "The Camomile Lawn" im Alter von 71 Jahren. Auch sie schrieb danach noch acht weitere Romane; der letzte erschien ein Jahr vor ihrem Tod mit 90.

Frank McCourt erlangte mit 66 Jahren durch "Angela’s Ashes" schlagartig literarischen Ruhm, und Laura Ingalls Wilders Buchreihe über das "kleine Haus" begann mit "The Little House in the Big Woods", als sie 65 Jahre alt war.

Fazit: Entweder können das nur die Briten, oder ich habe als "Kraut" auch die Chance, ohne gleich zu spät dran zu sein. Wir werden sehen...

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